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Die Blauzungenkrankheit ist eine anzeigepflichtige, virusbedingte Tierseuche, die von blutsaugenden Mücken der Gattung Culicoides (Gnitzen) auf Schafe, Ziegen, Rinder und andere Wiederkäuer sowie Neuweltkameliden übertragen werden kann.
Die Gnitzen können, je nach Witterungsbedingungen, Strecken bis zu 150 km zurücklegen.

Bei Schafen verursacht das Blauzungenvirus schwere Krankheitserscheinungen mit hohem Fieber, Schwellungen und Ablösungen der Schleimhäute im Maul und auf der Zungenoberfläche verbunden mit einem starken Speichelfluss. Rinder sind bisher meistens nur von milderen Symptomen betroffen in Form von Milchrückgang, Lidschwellungen und Veränderungen an der Zitzenhaut sowie im Bereich der Klauen. Ziegen scheinen weniger empfänglich zu sein. Menschen und andere Tiere sind nicht betroffen! Der Verzehr von Fleisch- und Milchprodukten ist vollkommen unbedenklich.

Die ursprünglich aus Afrika stammende Tierseuche hat sich weltweit verbreitet. In Europa gibt es seit 2006 immer wieder Ausbrüche in verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Serotypen. Von diesem Virus sind bislang mindestens 24 verschiedene Serotypen bekannt, die jeweils eine unterschiedliche Virulenz (krankmachende Eigenschaften) aufweisen.

Deutschland war insbesondere in den Jahren 2006 - 2009 von der Blauzungenkrankheit mit dem Serotyp 8 stark betroffen. Von 2019 bis 2021 traten erneut Blauzungenfälle mit dem selben Serotyp in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und im Saarland auf.

Am 06.09.2023 begann ein neues Blauzungenseuchengeschehen vor allem in den Niederlanden und danach in Belgien mit dem Serotyp BTV 3. 

In NRW wurde am 12.10.2023 ein erster Ausbruch in einem Schafbestand im Kreis Kleve festgestellt. Im Juli 2024 hat die durch Stechmücken verbreitete Tierkrankheit auch den Kreis Coesfeld und ebenfalls im weiteren Verlauf des Sommers 2024 alle Bundesländer in Deutschland erreicht. Die Infektion führte zu schweren Erkrankungen und vielen Todesfällen in Schafherden, aber auch Rinderbestände hatten deutliche klinische Symptomatik und Todesfälle.

Nachdem im Juni 2023 ganz Deutschland von der EU-Kommission zunächst wieder als amtlich BTV 8-seuchenfrei anerkannt worden war, wurden seit Oktober 2025 wieder in mehreren Bundesländern, unter anderem auch in NRW, Ausbrüche der Blauzungenkrankheit vom Serotyp 8 gemeldet und Restriktionszonen eingerichtet.

Am 08.01.2026 wurde BTV8 bei einem Kalb aus einem Betrieb in Herzogenrath (Städteregion Aachen) amtlich nachgewiesen. Somit vergrößerte sich aufgrund des Ausbruchs die in NRW bereits bestehende BTV 8-Zone (150 km-Radius um den Ausbruch im Eifelkreis Bitburg-Prüm in RLP). Die 150 km-Zone umfasst jetzt große Teile des Kreises Coesfeld. Eine aktuelle interaktive Karte zur 150 km-Zone befindet sich auf der Hompeage des LAVE (siehe untenstehenden Link). Für die Verbringung von Tieren aus der Zone gibt es Beschränkungen. Die Tiergesundheitsbedingungen und Ausnahmeregelungen für die Verbringung von Zucht- und Nutztieren in BTV-freie Bundesländer in Deutschland und in einzelne EU-Mitgliedstaaten sind dem unten angegebenen Link des LAVE NRW zu entnehmen.

Um die Tiere vor schweren Erkrankungen zu schützen, wird die Impfung gegen die Serotypen 3 und 8 dringend empfohlen. Hierfür wenden Sie sich bitte an Ihren Hoftierarzt.

Da es sich bei BTV um eine anzeigepflichtige Erkrankung handelt, setzen Sie sich im Falle eines verdächtigen Krankheitsbildes in Ihrem Tierbestand bitte unverzüglich mit Ihrem Hoftierarzt/Hoftierärztin oder dem zuständigen Veterinäramt in Verbindung.

Für weitere Informationen zum Krankheitsbild, Seuchengeschehen und Verbringungsregelungen einschließlich den erforderlichen Tierhaltererklärungen verweise ich auf die folgende Links.

https://www.lave.nrw.de/themen/tiere/tiergesundheit/tierseuchen/blauzungenkrankheit

FLI (Friedrich-Loeffler-Institut) – Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit

https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/blauzungenkrankheit/

Amt/Fachbereich

39.2 - Veterinärdienst