Eichenprozessionsspinner

Eichenprozessionsspinner-FAQs

1. Woran erkenne ich den Eichenprozessionsspinner?

Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein eher unscheinbarer, wenig auffälliger Falter, den man aufgrund seiner nachtaktiven Lebensweise selten zu Gesicht bekommt. Die Raupe jedoch ist aufgrund ihrer Brennhaare und des auffälligen „prozessionsartigen“ Verhaltens unverwechselbar; dies gilt umso mehr für das Nest oder Gespinst der Raupen.

Letzteres ist besonders auffällig, da es „sackartig“ mit einer Größe von ca. 20 cm am Stamm oder einem der meist unteren starken Äste anheftet oder sogar von Ästen herabbaumelt.

Die ebenfalls in den Frühjahrs- und Sommermonaten an einigen Gehölzen festzustellenden, zum Teil auch großflächigen Gewebegespinste sind auf die Tätigkeit der Gespinstmotten zurückzuführen und nicht auf die Tätigkeit des Eichenprozessionsspinners. Die Gespinste befinden sich überwiegend an Sträuchern, während der Eichenprozessionsspinner ausschließlich Eichen befällt.

2. Zu welcher Jahreszeit tritt der Eichenprozessionsspinner auf?

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners schlüpfen in Abhängigkeit zur Temperatur Ende April / Anfang Mai und durchlaufen bis zur Verpuppung insgesamt sechs Raupenstadien. Erst ab dem dritten Raupenstadium – je nach Temperatur gegen Ende Mai – bilden sich die gefährlichen Brennhaare aus.        

Die Verpuppung der Raupen erfolgt ab Juni in den Nestern. Der fertige Falter schlüpft nach einer Puppenruhe von drei bis fünf Wochen im Juli.

3. Wie gefährlich ist der Eichenprozessionsspinner?

Ausschließlich von den Brennhaaren der Raupen kann eine Gefährdung für den Menschen ausgehen – die sonstigen Entwicklungsstadien Puppe und Falter sind dagegen harmlos. Die Brennhaare enthalten die chemische Substanz Thaumetopoein – ein Protein, welches bei Kontakt mit der menschlichen Haut allergische Reaktionen auslösen kann.

Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf einen Kontakt mit den Brennhaaren. In den weit überwiegenden Fällen tritt eine allergische Reaktion mit Juckreiz und Hautreizungen auf. Der Juckreiz kann mehrere Tage anhalten und mit Schwellungen und Quaddeln einhergehen.

Bei einem möglichen Einatmen der Brennhaare kann es in seltenen Fällen zu Reizungen der Atemwege kommen, bei Kontakt mit den Augen zu Rötungen, Juckreiz oder Bindehautentzündungen.

Sollte sich ein Brennhaar im Auge verhakt haben, ist der Gang zum Augenarzt dringend anzuraten.

Bei gesundheitlichen Beschwerden sollte ein Arzt aufgesucht werden, dabei ist auf die Möglichkeit des Kontakts mit den Brennhaaren des Eichenprozessionsspinners hinzuweisen.

4. Welche Personengruppen sind besonders gefährdet?

Besonders aufmerksam sein sollten alle Personengruppen, die sich entweder berufsbedingt oder aus privaten Gründen in der freien Natur und insbesondere in der Nähe von Eichenbäumen aufhalten. Hier ist stets ein aufmerksamer Blick auf die Bäume anzuraten.

Insbesondere Kinder sollten auf die Gefahren hingewiesen und entsprechend beaufsichtigt werden, da sie oft neugierig sind und nicht die nötige Vorsicht aufweisen.

5. Wie weit geht der Gefährdungsbereich um einen befallenen Baum?

Generell nimmt mit zunehmendem Abstand vom Baum der Grad der Gefährdung ab. Da die Brennhaare jedoch sehr leicht sind, können diese mit dem Wind verweht werden. Als besonders gefährdet gilt der Nahbereich; wie weit die Verwehung geht, hängt dabei von der Hauptwindrichtung und der Topographie ab.

6. Geht von den alten Nestern noch eine Gefährung aus?

Nach dem Schlupf der Falter gegen Ende Juli sind die Nester verlassen. Leider ist damit die Gefahr aber noch nicht vorbei. Auch von verlassenen Nestern an den Bäumen können die Brennhaare durch Wind abgerieben und verweht werden.

Auch Gespinste, die heruntergefallen sind, geben weiterhin Brennhaare an die Umgebung ab und können im Unterwuchs oder hohen Gras leicht übersehen werden. Daher ist es sinnvoll, an gefährdeten Stellen auch die alten Gespinstnester entfernen zu lassen.

7. Wie kann man sich schützen?

Wirksamste Vorsichtsmaßnahme ist das Einhalten eines ausreichenden Sicherheitsabstands zu festgestellten Befallsbäumen. Aber auch ohne Kenntnis eines Befalls ist es ratsam, beim Aufenthalt in der freien Natur die folgenden Vorsichtsmaßnahmen zu beachten:

Da viele Radwege im Münsterland von einer Eichenreihe oder Eichenallee begleitet werden und ein Befall aufgrund der gefahrenen Geschwindigkeit selten erkennbar ist, sollte beim Radfahren stets eine Schutzbrille oder Sonnenbrille getragen werden. Dies verhindert wirksam, dass es zu einer Augenreizung kommt oder sich die Brennhaare gar mit ihren Widerhäkchen im Auge festsetzen.

Bei Spaziergängen ist es hilfreich, regelmäßig einen Blick auf die umgebenden Bäume zu haben. Sollte an einem nahen Baum ein Nest entdeckt werden, ist dieser in einem großen Abstand zu passieren. Bei einem Waldspaziergang ist es ratsam, den Körper möglichst vollständig mit Kleidung zu bedecken – insbesondere eine lange Hose verhindert zusätzlich Zeckenbisse.

Wenn Sie eine Pause machen, schauen Sie bitte genau, unter welche Baumart Sie sich setzen wollen und begutachten Sie sorgfältig den Baum und den Boden auf Raupen oder Gespinste. Hier wird der – wenn auch in einem anderen Zusammenhang entstandene - alte Spruch „Buchen sollst Du suchen, Eichen sollst Du weichen“ wieder aktuell! 

Beachten Sie die von den Kommunen und Straßenverwaltungen aufgestellten Warnhinweise und berühren Sie auf keinen Fall die Raupen oder deren Nester.  

Sollte Ihre Kleidung in Kontakt mit den Raupenhaaren gekommen sein oder möchten Sie vorsorglich nach einem Aufenthalt in der freien Natur die Kleidung reinigen, verwenden Sie eine hohe Waschtemperatur (mind. 60 °C, damit sich die Proteine des Giftes zersetzen). Nehmen Sie selbst ein Duschbad mit Haarwäsche. Der Einsatz einer Fusselrolle oder eines Staubsaugers zeigt nur bedingte Wirkung, da sich die Haare mit ihren Widerhaken in der Kleidung verhakt haben könnten und das eventuell bereits freigesetzte Thaumetopoein (s.a. Frage 2) in der Kleidung bleibt.

8. Wie kann der Eichenprozessionsspinner bekämpft werden?

Die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners setzt in allen Entwicklungsstadien an.

Durch eine Förderung der Fressfeinde der Raupen kann bereits eine Reduzierung der Raupenpopulation erreicht werden. Hierzu können Vogelnistkästen an bekannten Befallsbäumen oder in deren Umfeld aufgehängt werden, um Brutvögel anzulocken.

Auch ein naturnaher, strukturreicher Garten stärkt die Gesamtpopulation der Fressfeinde der Raupe. Hierzu gehören auch die Fledermäuse, die im Spätsommer auf die Jagd nach den geschlüpften Faltern gehen und so besonders wirkungsvoll direkt die Eiablage für die Entwicklung einer Folgegeneration verhindern.

Wird ein Befall an einer Eiche festgestellt, geschieht dies in den überwiegenden Fällen aufgrund der deutlich erkennbaren Gespinstsäcke. In diesem Stadium ist eine vorbeugende Bekämpfung nicht mehr möglich, so dass nur das Entfernen des Nestes in Frage kommt.

Versuchen Sie bitte nicht, die Nester selbst zu entfernen. Überlassen Sie dies den darauf spezialisierten Fachleuten. Diese setzen entweder Absaug- oder Heißwassergeräte ein, um das Gespinst zu entfernen und haben auch die erforderlichen Schutzausrüstungen.

Viele Schädlingsbekämpfungsfirmen übernehmen auch die Beseitigung von Eichenprozessionsspinnernestern. Im Internet finden Sie ein umfangreiches Angebot.

9. Können auch Biozide zur Bekämpfung eingesetzt werden?

Die Anwendung von Bioziden zur Bekämpfung der Raupen des Eichenprozessionsspinners sollte ausschließlich Fachfirmen mit den dafür erforderlichen Sachkundenachweisen und technischen Ausstattungen überlassen werden. Ein erfolgreicher Einsatz von Bioziden setzt sowohl ein umfangreiches Wissen über die Entwicklung des Eichenprozessionsspinners als auch eine Berücksichtigung der Witterungsverhältnisse voraus. Keinesfalls sind Biozide großflächig „vorsorglich“ anzuwenden, da sie dann nicht den erwarteten Erfolg erzielen.

Biozide sind äußerst zurückhaltend anzuwenden – und zwar nur in den Fällen, in denen alternative Bekämpfungsmaßnahmen nicht erfolgversprechend sind oder an besonders sensiblen, aus den Vorjahren bekannten Bereichen, an denen die Gesundheitsvorsorge Vorrang hat.

10. Können Biozide nachteilige Auswirkungen auf die Umwelt haben?

Der Einsatz von Bioziden ist mit negativen Belastungen der Umwelt verbunden. Die Biozide wirken zwar selektiv auf ausschließlich „Schmetterlingsartige“, jedoch nicht nur auf den Eichenprozessionsspinner. Dies bedeutet, dass auch andere Falterarten abgetötet werden, was im Sinne einer Förderung der Biodiversität nicht wünschenswert ist.

Zudem sind Auswirkungen auf Jungvögel, die von den Altvögeln mit behandelten Raupen gefüttert werden, nicht auszuschließen, evtl. sogar mit Todesfolgen.

Dies zeigt, dass vor einem Einsatz von Bioziden stets eine Abwägung der Vor- und Nachteile zu erfolgen hat und dass ihr Einsatz auf das unbedingt notwendige Maß reduziert werden sollte. Der Biozideinsatz ist aussschließlich von einer Fachfirma vorzunehmen, da nur diese den für Erwerb und Einsatz der Biozide erforderlichen Sachkundenachweis sowie die technische Ausstattung besitzt.

Bei sach- und fachgemäßem Einsatz von Bioziden sind Auswirkungen auf den Menschen nicht zu befürchten.

11. Wer ist für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners zuständig?

Generell gilt, dass der jeweilige Eigentümer, auf dessen Fläche eine befallene Eiche steht, für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners verantwortlich ist.

Das sind auf öffentlichen Flächen in den meisten Fällen die Kommunen oder der Kreis, auf den privaten Flächen die Privateigentümer.

Die bei der Bekämpfung anfallenden Kosten sind von den jeweiligen Flächeneigentümern zu tragen.

12. Bin ich zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners verpflichtet?

Inwieweit der Besitzer eines Nachbargrundstücks vom Baumeigentümer die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners verlangen kann, ist derzeit noch nicht abschließend rechtlich geklärt.

Daher sollte der Problemfall in einem offenen Gespräch erörtert und ein gemeinsamer Lösungsweg gefunden werden.

13. An wen kann ich mich wenden, wenn ich betroffen bin?

Sollten Sie auf Ihrem Grundstück einen Befall des Eichenprozessionsspinners erkannt haben und möchten diesen beseitigen, können Sie sich an einen Schädlingsbekämpfer wenden. Ansprechpartner in Ihrer Nähe finden Sie im Internet.

Entdecken Sie ein Gespinstnest auf einem Spielplatz, an einem Radweg oder einer anderen öffentlichen Fläche, verständigen Sie bitte die betroffene Kommune oder die Kreisverwaltung Coesfeld.

14. Sollte ich zukünftig keine Eichen mehr pflanzen?

Die Eichenarten Stieleiche (Quercus robur) und Traubeneiche (Quercus petraea) gehören zu den heimischen Laubbäumen mit den höchsten Dichten an Wirbellosen, zu denen auch die Schmetterlinge gehören. Kein anderer Baum bietet ein derartiges Lebensraumangebot nicht nur für Wirbellose, sondern auch für die Vogelwelt, die Fledermäuse und weitere Tierarten. Daher wäre es für den Artenschutz und den Erhalt unserer heimischen Tierwelt nicht förderlich, wenn nach einem heutigen Pflanzverzicht auf Eichen die zukünftigen Altbäume in der Natur fehlen würden.    

Zu beachten ist dabei auch, dass der Eichenprozessionsspinner nur Eichen ab einem höheren Alter befällt, so dass an Neupflanzungen in den ersten Jahrzehnten nicht mit einem Befall zu rechnen ist.

15. Sind mein Hund oder mein Pferd ebenfalls gefährdet?

Aus den vergangenen Jahren, die von einem erhöhten Aufkommen des Eichenprozessionsspinners geprägt waren, resultieren leider noch keine aussagekräftigen abschließenden Erfahrungen, ob auch Hunde oder Pferde allergisch auf die Brennhaare der Raupen reagieren. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass Pferde ein auffälliges Verhalten oder Hautirritationen bei in der Nähe stehenden befallenen Eichen zeigen.    

Durchaus vorstellbar ist, dass sowohl Hunde und Pferde, aber auch andere Säugetiere bei entsprechender Nähe der Nester mit den Brennhaaren in Kontakt kommen können und auf diese reagieren.

Hunde können gefährdet sein, indem sie am Boden liegende Nester im hohen Gras auffinden und beschnüffeln. Dabei können Brennhaare in die empfindlichen Nasenschleimhäute oder die Augen gelangen. Daher sollten Hundehalter an Eichen stets einen Blick auf den Unterwuchs haben und darauf achten, dass ihr Hund an dieser Stelle nicht allzu intensiv stöbert.

16. Wo kann ich weitere Informationen bekommen?

Weiterführende Informationen über den Eichenprozessionsspinner sind zahlreich im Internet zu finden. Als besonders sachliche Arbeiten sind folgende Abhandlungen zu empfehlen:

Sobczyk, Thomas: Der Eichenprozessionsspinner in Deutschland. Historie-Biologie-Gefahren-Bekämpfung. BfN-Skripten 365. Bonn-Bad Godesberg, 2014

www.umweltbundesamt.de

Niederländische Behörde für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz: Leitfaden zur Eindämmung des Eichenprozessionsspinners. Im Original: Leidraad Beheersing Eikenprocessierups. Update 2013, NVWA Alterra

Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW: Überwachung, Bekämpfung und Beseitigung des Eichenprozessionsspinners (EPS). Ein Praxisleitfaden für die Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen. Düsseldorf, April 2020

17. Ceterum censeo …

Obwohl an vielen Stellen der Eichenprozessionsspinner in den vergangenen Jahren erhebliche Probleme verursacht und sich so ein schlechtes „Image“ zugelegt hat, so sollte doch bedacht werden, dass es sich beim Eichenprozessionsspinner um eine heimische Tierart handelt, die wie jedes Tier seine Funktion in der uns umgebenden Natur übernimmt.

Es handelt sich keineswegs um einen exotischen „Neobioten“, der sich aufgrund fehlender natürlicher Feinde massenhaft vermehrt.

Bereits seit über 250 Jahren wurden periodische Massenvermehrungen des Eichenprozessionsspinners dokumentiert, jeweils gefolgt von einem Populationseinbruch, verursacht durch natürliche Gegenspieler wie Parasiten, Insekten und Vögel als Fressfeinde, Krankheiten und für die Entwicklung ungünstigere Witterungsverläufe.

Evolutionsbiologisch gesehen, ist der Eichenprozessionsspinner ein hochinteressantes Tier, welches verschiedene Überlebensstrategien entwickelt hat. Hierzu gehören zum einen die Brennhaare der Raupen, die einerseits optisch, aber auch geschmacklich und verträglich nicht unbedingt zum Verzehr einladen. Auch der nachtaktive Falter hat mit der Ausbildung des sogenannten Tympanalorgans von der Natur ein Sinnesorgan zur Verfügung gestellt bekommen, mit welchem er die Echoortungen seiner ebenfalls nachtaktiven Fressfeinde, der Fledermäuse, orten und sich rechtzeitig in Sicherheit bringen kann.

Auch wenn in vielen Fällen eine Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners in Abwägung mit gesundheitliche Belangen erforderlich ist, sollten wir dennoch stets daran denken, dass es sich um ein Lebewesen aus unserer Natur handelt.

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